#6 Türkei: Kulturschock oder doch wie daheim?

 

Wir sind zum ersten Mal in der Türkei. Und wir haben vielfältige Vorstellungen davon, was uns erwarten könnte:

Wir haben Bilder im Kopf von überfüllten Stränden an der Küste bei Antalya, Alanya und Side. 

Wir erwarten einen kleinen Kulturschock beim Übertritt von Europa nach Asien. 

Wir denken, Alkohol gibt's in der Türkei nur selten oder nicht zu kaufen und decken uns daher im Duty-Free am Grenzübergang von Griechenland kommend mit einer Flasche Ouzo ein.

 

Schnell werden wir eines Besseren belehrt. Die Flasche Schnaps bekommen wir in den ganzen 6 Wochen in der Türkei nicht leer. Ein Großteil der Türkei fühlt sich genauso "europäisch" an, wie wir es z.B. in Bulgarien erlebt haben. Und außer den Stränden an der Küste hat die Türkei noch VIEL, VIEL MEHR zu bieten.

 

 

Was wir nicht erwartet haben: Die herzliche Gastfreundschaft der Menschen in der Türkei. Wenn man denkt, die Europäer wären schon nett und gastfreundlich, dann bekommt man in der Türkei tatsächlich einen kleinen "Schock". Wir werden von wildfremden Leuten eingeladen: mal wird uns Essen geschenkt, mal wird einfach direkt unsere Restaurant-Rechnung beglichen, und wieder ein anderes Mal werden wir vom Werkstattbetreiber auf eine Übernachtung eingeladen. Fast immer bekommen wir Tee, also Cay, geschenkt, egal ob an der Tankstelle oder beim Lebensmittelkauf in einem kleinen Laden. 

Teilweise sind wir etwas überfordert. Mehr als ein strahlendes Lächeln können wir meist nicht zurückgeben! Aber manchmal reicht vielleicht das schon aus. 

 

Wir gewöhnen uns daran, dass, sobald wir anhalten, neugierige Leute ankommen. Meist wird es vollkommen ignoriert, wenn wir Ihnen zu verstehen geben, dass wir kein Türkisch sprechen, und weiter in wildem Türkisch auf uns eingeredet. 

 

 

Erstaunlich viele - gefühlt jeder - der Türken, die wir getroffen haben, hat entweder Freunde oder Verwandte, welche in Deutschland leben, oder hat selbst schon einige Jahre in Deutschland verbracht! Dies führt manchmal zu witzigen Situationen. So kommt es z.B. vor, dass bei einem kleinen Einkauf neuer Batterien für unseren SPOT der Verkäufer nach mehrmaligen Telefonaten seine Cousine in Deutschland am Hörer hat. Besser gesagt kommunizieren wir mit ihr per Videochat. Einfach nur, um ihr zu verdeutlichen, dass wir bereits alles haben, was wir brauchen und auch sonst keine Hilfe benötigen. Erst dann ist der Verkäufer zufrieden und lässt uns davonziehen :-D

 

So lässt sich auch das Problem der meist mangelnden Englisch-Kenntnisse lösen :-D Und wenn gerade kein Verwandter per Telefon zu erreichen ist, gibt's ja noch Google-Translate. Das beherrscht fast jeder. Und so wird uns auch schon mal unsanft das Smartphone aus der Hand genommen, damit die Übersetzung via Spracheingabe läuft. Tippen ist schließlich was für Anfänger ;-)

 

Und dann gibt es auch wieder komplett gegenteilig Situationen! An einem sehr heißen Tag - an der Küste hatte es bestimmt knapp 40°C - beschließen wir, heute mal in den Bergen zu zelten. Wir fahren durch ein kleines Dorf, über steinige und felsige Kieswege hoch in die Berge und gelangen auf eine kleine Hochebene bei über 2000 Höhenmetern. Dort stehen kleine Hütten, offensichtlich (Halb-)Nomaden, welche dort oben in den Bergen das Vieh betreuen. Der Weg weiter nach oben wird immer steiniger, also beschließen wir zu fragen, ob wir in der Nähe der Hütten unser Zelt aufstellen dürfen. Gar nicht so einfach, denken wir zunächst. Robert geht auf ein paar Männer zu und versucht, ein Gespräch zu beginnen. Diese deuten aber nur auf eine Frau, welche in einer Frauengruppe am kleinen Bach sitzt und gerade den Abwasch erledigt. Schon dreht sich die Frau um und beginnt mit uns zu sprechen. Nicht, wie gewohnt, auf Türkisch, sondern in perfektem Englisch. Wir kommen uns blöd vor, sind wir doch irgendwie davon ausgegangen, dass wir uns mit Händen und Füßen verständigen müssen. Doch die Dame ist super nett und erklärt uns, dass es gar kein Problem sei, wenn wir hier unser Zelt aufstellen würden und wenn wir etwas brauchen würden - egal ob Brot, Gemüse, Käse oder Eier - wir nur zu Ihnen kommen sollten. 

So vielseitig und abwechslungsreich sind unsere Begegnungen mit den Menschen dort. Und ohne Ausnahme positiv!

 

 

Auch kulturell hat die Türkei einiges zu bieten. Anfangs starten wir noch ganz enthusiastisch: wir besichtigen Istanbul, dann Canakkale und das historische Troja. Mit der Zeit lässt die Motivation aber nach... gemeinsam mit zig anderen Menschen in der Hitze  irgendwelche "alte Steine" zu besichtigen, ist dann doch nicht so unseres. Also lassen wir das erst mal bleiben. Bis auf den Berg Nemrut in der Provinz Adiyaman. Hier finden sich auf etwa 2150 Höhenmetern Statuen der griechischen und persischen Götter- und Herrscherwelt verteilt. Unter einem breiten Schotterhügel wird zudem das Grabmal eines Königs vermutet, das jedoch bis heute nicht nachgewiesen werden konnte. Wir quälen uns eines Abends die über 300 Stufen vom Parkplatz bis zu den Terrassen hoch, auf denen die Statuen stehen. Belohnt werden wir anschließend vor allem durch den wundervollen Ausblick auf die umliegende Berglandschaft. Lustigerweise winkt uns hoch oben ein Pärchen zu sich heran und fragt uns, ob wir die Spanier wären, von denen im Dorf erzählt wird? Wir sind etwas verdutzt... wie sich herausstellt, wurden wir bei unserem Einkauf am Vortag im Nachbardorf falsch verstanden, als wir gefragt wurden, woher wir kommen. Und so war das "spanische" Pärchen auf ihren beiden dicken Motorrädern das Dorfgespräch :-D Spanien und Deutschland klingt aber auch ähnlich ;-) 

 

Bei Sonnenuntergang genießen wir dann den wunderbaren Anblick der Sonne, welche hinter den Berghügeln verschwindet und vergessen fast, dass sich mit uns noch gefühlt 200 andere Menschen dieses Spektakel ansehen.

 

 

Nicht weniger spannend als die zwischenmenschlichen Begegnungen und die Kultur finden wir die Landschaft. Auch nach 6 Wochen in der Türkei haben wir zwar noch bei weitem nicht alles gesehen, aber eins können wir mit Sicherheit sagen: Langweilig wird's nicht!

 

Von der Küste, an der wir es dank der Hitze meist nur kurz aushalten, ist es oft nur ein Katzensprung und man findet sich, abseits vom Massentourismus, wieder in kleinen Bergdörfern und atemberaubender Berglandschaft. Auch die Mitte des Landes, welche auf den ersten Blick eher flach und karg erscheint, hat einiges zu bieten! Zum Beispiel den riesigen Salzsee Tuz Gölü, der in verschiedenen Farbnuancen schillert und auf faszinierende Weise den Himmel und die umgebende Landschaft spiegelt. Auch der Fluss Euphrat, welcher sich durch weite Teile des Landes zieht, bietet faszinierende Anblicke. Ein besonderes Highlight für uns: Kappadokien. Dort haben sich durch Lava unglaubliche Gesteinsformationen gebildet, welche teilweise durch Höhlen erschlossen und bewohnt wurden. Alles in allem: unbeschreiblich, also seht selbst: 

 

 

Nach einigen Wochen fühlen wir uns in der Türkei fast wie daheim. Umgeben von tollen Menschen, die uns immer das Gefühl geben, willkommen zu  sein. Und eines nehmen wir aus diesem tollen Land auf alle Fälle mit: Wir wollen gastfreundlicher werden!! Auch daheim, wenn wir fremde Menschen sehen... einfach mal auf sie zugehen und fragen: "Wie heißt du, kann ich dir helfen, brauchst du etwas?" 

 

Ein "Miteinander" zu leben und kein "Aneinander vorbei" oder ein "Jeder kämpft für sich allein". Dann würde es uns wohl allen besser gehen. 

 

Unsere grobe Route auf unserer 6-wöchigen Reise durch die Türkei
Unsere grobe Route auf unserer 6-wöchigen Reise durch die Türkei

 

Unsere Highlights der Türkei haben wir auch in den nachfolgenden Videos festgehalten: