#4 Biker-Eldorado Bulgarien

 

Unser Start in Bulgarien ist etwas holprig... eine Lebensmittelvergiftung setzt mich erst mal einen Tag komplett außer Gefecht. Nach knapp 20h Schlaf, nur unterbrochen durch den Gang ins Badezimmer, bin ich dann aber wieder fit. Bulgarien, so einfach gebe ich mich nicht geschlagen!

 

Eigentlich wissen wir gar nicht so genau, wo uns unsere Reise durch Bulgarien hinführen soll. Zwei Ziele haben wir aber bereits: Bansko und die heißen Quellen bei Rupite. Warum Bansko? Eigentlich ist dies ein Ski-Ort am Pirin-Gebirge. Die Ski-Saison ist aber bereits vorbei und wir sind sowieso keine Wintersport-Freunde. Aber uns zieht sowieso was anderes hier her: Wir haben mitbekommen, dass wir uns hier relativ unkompliziert auch als "Ausländer" gegen Covid-19 impfen lassen können! Wir glauben das noch nicht so ganz... Bis wir dann wirklich am Samstagmorgen die erste von zwei Spritzen im Arm und den Stempel im Impfpass haben! Wir können unser Glück kaum fassen, und so macht uns selbst das Regenwetter an diesen Tagen nichts aus. 

 

Wir warten auf die Impfung
Wir warten auf die Impfung
Erst mit dem Stempel im Pass können wir es glauben :-)
Erst mit dem Stempel im Pass können wir es glauben :-)

Von dort aus fahren wir weiter zu den heißen Quellen bei Rupite. Diese hat uns Guido, den wir an den heißen Quellen in Albanien getroffen haben, empfohlen. Im Gegensatz zu den Quellen in Albanien, die nur ca. 25°C warm waren, sprudelt hier, ganz in der Nähe der griechischen Grenze, das Wasser mit 75°C aus dem Boden und wird in zahlreiche Becken geleitet! Wahnsinn.

 

 

Auf dem Weg zu den heißen Quellen haben wir aber noch ein Erlebnis, das uns Wohl von der ganzen Zeit in Bulgarien am meisten in Erinnerung bleiben wird.

Man kennt Bulgarien ja mehr von Gold- und Sonnenstrand am Schwarzen Meer. Aber dass hier mehrere Bergketten inklusive Bergstraßen die Motorradfahrer-Herzen höher schlagen lassen, war uns nicht bewusst! 

Und als wir über eine dieser Straßen kurven, kommen wir durch ein Dorf und sehen eine Honda Transalp - die kleine Schwester unserer Africa Twins - stehen. Wir winken recht freundlich und fahren aber erst mal weiter. Doch dann kommt uns noch eine Transalp entgegen. Und eine Africa Twin. Und eine alte Tenere. Da müssen wir nicht lange überlegen, und kehren bei nächster Gelegenheit um! Im Dorf treffen wir dann die Motorradfahrer. Insgesamt sechs bulgarische Biker, die uns gleich willkommen heißen und ganz interessiert unsere Motorräder begutachten. Nur einer der sechs spricht Englisch und muss daher übersetzen. Nach einem kurzen Ratsch heißt es, sie würden eine kleine Tour mit ein bisschen Offroad-Anteil fahren, und dann ein BBQ machen. Ob wir nicht mitkommen möchten? Wir überlegen nicht lange und sagen zu. Keine fünf Minuten später sitzen wir im Sattel und sind nun zu acht unterwegs. Wir düsen den Berg hoch und biegen dann auf eine kleine Nebenstraße ab. Ein paar Kilometer weiter ist die Fahrt dann fast vorbei, eine Baustelle versperrt uns den Weg. Aber halb so wild, unsere Motorräder sind ja geländegängig! Nach kurzem Gespräch unter Bulgaren fährt der Bagger zur Seite und wir fahren einmal quer durch die Baustelle, über einen Hügel aus Matsch und Dreck. Hier schinde ich gleich mal Eindruck, da ich als Frau sogar ohne Umfaller drüber komme  :-D Daran hatten die Biker anscheinend gezweifelt, zwei von Ihnen hatten sich gleich zur Hilfestellung positioniert. Dass mein Herz schon etwas höher gehüpft ist, als Babsi sich durch den Erdhaufen gegraben hat, müssen sie ja nicht wissen ;-) Über eine kleine, mit Schlaglöchern gespickte Straße, geht's dann weiter in den Wald. Und plötzlich endet der Asphalt und wir fahren wirklich in den Wald. Erst ist der Weg noch etwas steinig, wird dann aber dank dem Regen der vergangenen Tage richtig matschig. Doch wir kommen ganz gut durch, nur einmal "lehne" ich Babsi nach einer Rutschpartie kurz gegen den Hang. Robert hat's zwar nicht mitbekommen, da er vor mir gefahren ist, aber die anderen sind sofort zur Stelle und helfen mir weiter. Und da Babsi nicht wirklich gelegen ist, sondern sich nur kurz in Schräglage ausgeruht hat, zählt das auch nicht zur Umfaller-Statistik ;-)

 

Mitten im Wald auf einer Lichtung kommen wir dann an einem alten Gasthaus oder sowas in der Art an! Das ist anscheinend der BBQ-Platz. Nun wird aufgetischt! Gefühlt fünf Kilo Fleisch werden ausgepackt, der Grill angeheizt (die Profis machen das anscheinend mit richtigem Holz und nicht mit Kohle) und der Wirt serviert die Beilagen. Dass die Beilagen bereits kalt sind bis das Fleisch dann mal fertig ist, interessiert nicht. Das ist hier in Bulgarien irgendwie sowieso Standard... Essen kommt NIE gleichzeitig auf den Tisch, es wird zu für uns komischen Zeiten gegessen, und meistens ist die Hälfte auch schon kalt bis es gegessen wird. Zum Schluss bleibt von den riesen Mengen meist auch noch einiges übrig und wird dann weggeschmissen. Schade, aber ist hier anscheinend oft so... 

 

Bis das Fleisch fertig ist, werden wir voll in die Gruppe integriert und mit unzähligen Fragen gelöchert. Ist Deyan, der Übersetzer, grade nicht zur Stelle, erfolgt die Kommunikation mit Händen und Füßen und über Fotos. Stolz werden uns zahlreiche Fotos der Motorradfahrer und deren Motorräder sowie Fotos der Ehefrauen präsentiert. Und irgendwie verfliegt die Zeit. Nach der Grillorgie gibts auch noch Kuchen und wir bekommen ein Ständchen mit einem original bulgarischen Instrument, einer Art "Dudelsack". Die Biker sind stolz. Auf sich, auf ihr Land und darauf, dass sie uns etwas davon zeigen können. 

 

Nachdem nun schon einige Stunden ins Land gezogen sind, treten wir den Rückweg an. Aber natürlich nicht ohne ein Gruppenfoto! Und da wir eigentlich über Melnik zu den heißen Quellen fahren wollen, begleiten uns die Biker gleich noch nach Melnik. Wiederum über Straßen, über die wir allein nie gefahren wären. Die Schotterpiste ist aber trocken und so kommen wir gut voran. Um halb 7 abends trinken wir mit der Gruppe dann noch einen Kaffee und überlegen parallel, wo wir unser Zelt heute aufstellen wollen. Trotz Übersetzer verstehen die Bulgaren nicht ganz, warum wir uns kein Hotel nehmen wollen sondern lieber im Zelt schlafen... aber das müssen Sie auch nicht. Als wir uns um kurz nach 7 von der Gruppe verabschieden, sind wir platt. Total geflasht von dem Erlebnis, suchen wir uns dann noch einen Platz zum Wildzelten und finden einen tollen Platz in der Nähe des Kloster Roschen. Was für ein Tag!

Doch wir erleben auch noch viele andere tollen Tage in Bulgarien. Ob im Motocamp beim Lagerfeuer oder mit Silke und Jan von Travelove beim 5-stündigen Frühstück. Oder beim Wildcampen ganz im Norden an der Schwarzmeerküste. All das noch ausführlich zu beschreiben, könnte wohl gleich ein Buch füllen. Zumindest füllt es unseren Köpfe und unsere Seelen. Mit positiven Momenten und Gedanken! Und mit der Hoffnung, dass unsere Reise trotz der Umstände hinsichtlich Reisebeschränkungen etc., genau so wird, wie wir uns erhofft hatten!

 

 

Wir haben auf alle Fälle Blut geleckt. Sind gierig nach neuen Erlebnissen, Erfahrungen und der Freiheit.

 

An die Freiheit, dass wir tun und lassen können was wir wollen und daran, dass wir meist täglich unsere Pläne umschmeißen und spontan leben, haben wir uns schnell gewöhnt. Als wir dann wirklich mal wieder einen fixen Termin haben - zum zweiten Impftermin wieder in Bansko zu sein -  artet das schon fast in Stress aus! :-D Aber auch das schaffen wir und können nun noch unbeschwerter weiter fahren. Dankbar, für die zwischenmenschlichen Erlebnisse. Und vor allem dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, unseren Traum zu leben. 

 

Unsere Route durch Bulgarien
Unsere Route durch Bulgarien