#3 Persh... wie bitte?

 

Kamen wir in Kroatien und Montenegro noch gut mit ein paar Floskeln wie Dobar dan, Hvala und Englisch weiter, so stellt Albanien uns nun vor eine kleine Herausforderung! Wie in jedem Land erkundigen wir uns vorab ein wenig über die Sprache und versuchen, ein paar Brocken zu lernen. Aber das ist nur das eine! Das andere ist, wie man das Gelesene richtig ausspricht und sich dann auch noch merken soll!!

 

Albanisch ist, wie wir uns erklären lassen, eine sehr alte Sprache, besitzt keine nahen Verwandten und stellt zwischen den rundum liegenden Ländern eine Art Sprachinsel dar! Wir geben uns trotzdem Mühe, fragen immer wieder nach, aber mehr als Hallo - Përshëndetje, Guten Tag - Mirëdita und Danke - Falemenderit, bekommen wir auch nach knapp zwei Wochen Albanien nicht heraus! Aber jedes Mal, wenn wir ein Falemenderit hervornuscheln, ernten wir ein erstauntes, aber wohlwollendes Lächeln! 

Mehr können wir uns aber beim besten Willen nicht merken, und so sind wir froh, dass die meisten zumindest ein paar Brocken Englisch beherrschen (und unsere Übersetzungsapp recht gut funktioniert :-D )

 

Aber selbst wenn unser Gegenüber keine Englischkenntnisse besitzt, wir merken, nach ein paar Gläsern Raki klappt so eine Konversation doch erstaunlich gut! Überhaupt geben sich die Albaner sichtlich Mühe mit uns ins Gespräch zu kommen und sind eigentlich immer sehr freundlich und hilfsbereit! Diese Gastfreundschaft ist auf alle Fälle eins der Dinge, die uns von Albanien im Gedächtnis bleiben wird. 

 

 

Was uns noch im Gedächtnis bleiben wird? Die Straßen! Zum einen, weil ich (Franzi) mir da mal wieder viiieeel zu viele Gedanken über die Straßenverhältnisse, welche uns erwarten werden, gemacht habe! Zum anderen, weil uns die Straßen wirklich überrascht haben! Zumeist waren diese wirklich super ausgebaut. Zugegeben, manchmal kommt man schon mal auf eine von Schlaglöchern übersäte Asphalt- oder auch Kiesstraße, aber das ist ja unsere leichteste Übung! :-D Einige der Straßen, die wir befahren, sind wohl erst seit wenigen Jahren asphaltiert und somit noch in super Zustand! 

 

Trotz alledem, wer möchte kann hier in Albanien auch sein Enduroherz höher schlagen lassen! Fährt man absichtlich abseits der größeren Straßen, findet man sich schnell auf Schotterwegen, manchmal mehr, manchmal weniger befestigt wieder. Auch direkte Offroadpassagen lassen sich mit Sicherheit leicht finden, aber da wir mit unseren Schwergewichten nicht direkt auf Offroadjagd sind, lassen wir das lieber bleiben.

 

Den ein oder andere Abstecher abseits der asphaltierten Wege möchten wir aber nicht missen! So haben wir die Osum-Schlucht von Permet nach Berat durchquert. Auch wenn  unser Navi partout nicht dort durchfahren wollte!  Über Stock und Stein, Bodenwellen, ausgefahrene Spurrinnen und enge Kehren schlängelt sich hier der Feldweg das Gebirge hoch und wieder runter. Mega Panorama inklusive! 

 

 

Überhaupt ist Albanien landschaftlich wunderschön und abwechslungsreich. Wäre da nicht dieses Müllproblem... Offensichtlich existiert hier der Begriff Mülltrennung noch nicht, ganz zu schweigen von der Entsorgung. Wenn wir unser Zelt mal wieder irgendwo im Nirgendwo aufstellen - Wildcampen ist hier in Albanien ausdrücklich nicht untersagt und wird auch überall gemacht -  haben wir oft Mühe, einen Platz ohne Hinterlassenschaften unserer Vorgänger zu finden.

Wenn es nur etwas Müll ist, packen wir diesen ja auch gerne ein und säubern den Platz etwas, aber hier ist es oft so, dass wir mehrere Müllsäcke bräuchten um die Landschaft wieder freizuschaufeln! Das trübt unsere Erlebnisse beim sonst wundervollen Zelten in der Wildnis manchmal durchaus. Leider haben wir die Erfahrung gemacht, dass das Umweltbewusstsein der Menschen hier einfach (noch) nicht so geschult ist, wie wir es aus Deutschland kennen. So werden Dosen oder Plastikflaschen wie selbstverständlich an den Straßenrand oder auch direkt auf der Wiese weggeworfen und so "entsorgt".

 

 

Nichtsdestotrotz: Das Wildcampen in Albanien feiern wir total! Hier müssen wir uns wirklich keine Gedanken machen, dass sich jemand beschwert oder uns wegscheucht :D Wir schlagen unser Zelt einfach auf, wo wir gerade Lust haben, manchmal auch in Gesellschaft anderer Camper. Und zweimal bekommen wir sogar Besuch von Einheimischen, die uns aber nicht verscheuchen wollen, im Gegenteil! Sie sind neugierig, was wir hier machen, wollen quatschen oder Fotos mit unseren Motorrädern machen! So macht das Spaß :-D

 

 

Während unserer Zeit in Albanien haben uns immer wieder Nachrichten erreicht, ob es in Albanien schon sicher sei und ob wir keine Angst hätten. 

Das können wir ganz klar beantworten: Nein!! Wir haben uns zu keiner Zeit unsicher oder dergleichen gefühlt. Ganz im Gegenteil, wir fühlten uns immer Willkommen und waren bzw. sind von der Gastfreundschaft beeindruckt. Lediglich der Verkehr war anfangs gewöhnungsbedürftig und zum Teil abenteuerlich. 

 

Was wir hier gelernt haben:

- Gastfreundschaft wird in Albanien großgeschrieben! 

- Kaffee ist Lebensgrundlage und kann an jeder Straßenecke, egal wie klein das Dorf sein mag, für 50 - 100 Lek (1€ ~ 120 Lek) erworben werden

- Rote Ampeln und generell Verkehrsregeln sind, insbesondere in der Hauptstadt Tirana, mehr als Empfehlung anzusehen. Sieht ein Albaner eine Lücke, dann wird diese genutzt!

- Mercedes Benz ist DIE Automarke und insbesondere E-Klassen sind das Maß aller Dinge :D

 

Unsere Route durch Albanien
Unsere Route durch Albanien