#2 Balkanexpress

 

Wir tauchen tiefer ein in den Balkan! Das nächste Land, das wir auf dem Plan haben ist Montenegro, das Land der Superlativen. So liest man es zumindest, wenn man sich im Internet über Montenegro informiert. Doch was ist dran? Wir wollen es selbst herausfinden.

 

Zunächst fahren wir in die Stadt Kotor. Der Grenzübergang läuft mehr oder weniger reibungslos, dank negativem PCR-Test und grüner Versicherungkarte. Das einzige, was uns etwas irritiert, ist die Aussage des kroatischen Grenzbeamten, dass für Robert nur ein Transitvisum in Kroatien eingetragen war... Aber der Grenzbeamte lässt uns trotzdem passieren, wir sind jetzt nicht mehr sein Problem!

 

In Kotor haben wir uns ein Apartment gebucht, in dem wir uns für ein paar Tage einnisten werden. So wollen wir dem Regen, der für die nächsten Tage angekündigt ist, entkommen. Wir besichtigen die Altstadt und die Burg "San Giovanni". Die Stadt ist noch ziemlich menschenleer. Kaum Touristen sind unterwegs, die sonst in der Hochsaison massenweise mit Kreuzfahrtschiffen hier in der Bucht anlegen. Wir genießen es, auch wenn der Regen wie versprochen nicht ausbleibt!

 

Mit einem Schlenker über den Lovcen, der sich direkt neben Kotor auftürmt, fahren wir Richtung Küste, genießen dort die Sonne und den Strand und fahren entlang der Küstenstraße weiter Richtung albanischer Grenze. Dort liegt der Skutariseee, welcher neben dem Gardasee der größte See Südosteuropas ist. Entlang des Sees kurven wir über die Panoramastraße wieder ins Landesinnere. Das Panorama können wir aber nicht immer genießen, oft müssen wir uns einfach auf die schmale und von Schlaglöchern übersäte Straße konzentrieren! Als wir einen Stop einlegen, treffen wir auf ein Pärchen auf einer Suzuki V-Strom. Wir unterhalten uns kurz, die beiden sind Italiener, leben aber in Albanien und führen eine Pizzeria im Herzen von Tirana! Also steht für uns schon ein Punkt auf der To-Do-Liste für Albanien: Pizza essen in Tirana :-)

 

 

Nach dem Rumgekurve über die kleinen Panoramastraßen wählen wir die Hauptstraße Richtung Norden. Aber falsch gedacht, von der Hauptstadt Podgorica Richtung Niksic wird fleißig gebaut! Ampeln gibt's hier zwar keine, aber wir stehen trotzdem im Stau, wenn wir den Gegenverkehr passieren lassen müssen oder aber immer wieder über mehr schlecht als recht ausgebaute "Behelfsumfahrungen" ausweichen müssen! Ab Niksic kommen wir dann gut voran. 

 

In Pluzine legen wir einen etwas längere Pause ein, wiedermal verheißt der Wetterbericht Regen! Aber wir werden gut versorgt, heizen unser gemietetes Apartment warm ein, erkunden Pluzine samt des Stausees an der Piva-Schlucht und kuscheln mit der zutraulichen Katze, liebevoll "Schnurro" getauft :-) Der kleine Kater nistet sich bei uns ein und genießt die Wärme schön eingekuschelt auf der Couch!

 

Ab Pluzine versuchen wir, das Durmitorgebirge zu durchqueren. Über stockdunkle Tunnel fahren wir auf die P14, aber schon nach ein paar Kilometer werden wir angehalten, da die Straße gesperrt sein soll! Wir wollen es aber nicht ganz glauben, fahren also weiter so weit es geht! Leider sollten die Anwohner aber Recht behalten... auf der Straße liegt noch Schnee, an ein Durchkommen mit unseren vollbepackten Maschinen ist nicht zu denken. Also heißt es umkehren... Wir nehmen die Hauptstraße Richtung Zabljak. Dort angekommen staunen wir nicht schlecht, hier liegt noch meterweise Schnee!! Immerhin sind wir hier eine kleine Attraktion. Kleine Jungs am Straßenrand feuern uns an und als Robert einen von Ihnen selbst Gas geben lässt, ist das Grinsen aus dem Gesicht gar nicht wegzubekommen!

 

Von Zabljak aus fahren wir entlang der Tara-Schlucht, welche mit stellenweise über 1300 Metern zu den tiefsten Canyons der Welt gehört! Aus Motorradfahrersicht finden wir die Tara-Schlucht aber tatsächlich überbewertet. Mit Rafting-Booten mag die Schlucht beeindruckend sein, aber von der Straße aus hat man nur selten einen Blick auf den strahlend blauen Fluss! Da gefällt uns die Moraca-Schlucht tatsächlich besser. Diese verläuft Richtung Süden und bietet auch von der Straße aus immer wieder beeindruckende Einblicke auf den wundervollen Fluss Moraca. So suchen wir uns entlang des Flusses dann auch eine nette Übernachtungsmöglichkeit und schlafen nach einem gemütlichen Lagerfeuer zum Rauschen des Flusses ein :-)

 

 

Und nun, wird Montenegro seinem Ruf gerecht? Aus unserer Sicht auf jeden Fall!

Landschaftlich hat Montenegro einiges zu bieten! Wunderschöne Strände, einsame Buchten und eine malerische Seen- und Flüsselandschaft. Fährt man nur ein paar Kilometer weiter Richtung Norden türmen sich die Berge des Dinarischen Gebirges mit teilweise über 2500m auf. Und so kommt es, dass der Höhenmesser auf unserem Navi an so manchem Tag fast überfordert war! 

 

Auch Wettertechnisch erleben wir Montenegro als Land der Superlativen :-D

Am einen Tag andauernder Regen, hoch oben in den Bergen liegt noch meterweise Schnee und an der Adriaküste liegen schon die Sonnenanbeter am Strand und bräunen sich. Das alles liegt hier nur wenige Kilometer voneinander entfernt!

 

Und die Montenegriner selbst? Unser erster Eindruck war zunächst: der Fahrstil ist zumindest abenteuerlich! In Budva wurden wir sogar von einem einheimischen Motorradfahrer-Paar vor den Autofahrern gewarnt. Diese würden ohne Rücksicht auf Verluste fahren und auch bei Gegenverkehr nicht ausweichen! In Albanien wäre es viel besser zum Motorradfahren... Wo sind wir da nur hingekommen? Und ob das mit Albanien wirklich stimmt? Wir sind da skeptisch... :-D 

Die Warnungen blieben Warnungen, wir haben den Verkehr zwar oftmals etwas chaotisch wahrgenommen, waghalsige Überholmanöver gesehen und auch der ein oder andere Gegenverkehr raste ziemlich nah an uns vorbei... Aber es lief alles gut und wird uns auch nicht davon abhalten, Montenegro nochmals zu besuchen. Ganz zu schweigen von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft, die uns zu Teil wurde :-)

 

Für uns steht fest: Dies wird nicht der letzte Besuch im Land der Superlative bleiben! Auf jeden Fall möchten wir das legendäre Durmitorgebirge auch mal ohne Schnee auf der Straße erleben und dann auch durchqueren :-)

 

Unsere Route durch Montenegro
Unsere Route durch Montenegro